Ewig währt am längsten

Pilze auf einem Ast mit Moos
Juli 2026

Als ich dich von der Leine ließ, wolltest du in die Tiefe stürzen. Du konntest dir bei allem, was dir das Leben lehrte, nicht vorstellen, dass wir schon längst die Seiten gewechselt hatten. Du wolltest mich ertragen, bis dass der Tod uns schneidet. Doch ich war der sonnige Osten und du der kühle Westen. Und so hob ich unsere Liebe aus der Traufe und hielt sie hoch wie nichts in meinem Leben zuvor. Ich stemmte mich gegen die Verschattung und trotzte der Verheizung. Ich träumte unseren Traum.

Natürlich ließ keinen Power-Fett-Nap aus. Ich schnipste taktlos mit den Fingern, verwarf glitzernde Kontrollletis und schillernde Persönlichkeiten. Doch ich tat es mit blutendem Herzen. Ich wollte auf dem Boden der Tatsachen dringend notwendiges Quartiersmanagement betreiben. Ich wollte im feucht-fröhlichen Milieu der Stadtgesellschaft resiliente Pflanzen züchtigen. Doch hatte ich einen Sitzen, kam ich mir teuer zu stehen.

Seit einem Jahr trage ich des nachts die Schichten ab, die wir auftürmten, um davon noch lange zu zehren. Seit einem Jahr wühle ich mich durch mein Hinterzimmer, in der Hoffnung auf einen Hinweis auf deinen Verbleib.

Ich haute mich, ich häute mich – für mich ist es einerlei. Und alle, die ich in diesen Monaten traf, die an dir oder mir zweifelten oder an dem, was uns bis heute verbindet – ich überzeugte sie ebenso wie wir uns überzeugten.

Wie es geschah? Du wirst ahnen, wir brachten die nötigen Opfer. Wir verzichten auf das gute Ende. Wir mussten nicht drin oder dabei sein. Wir pissten dem Schicksal in die Kimme und waren glücklich.

Und wenn ich an die Stunden denke, in denen wir glücklich waren, dann wird plötzlich wieder alles ganz verschwommen. Dann weiß ich nicht mehr, warum es eigentlich noch ein morgen gibt, wo das heute doch schon von den Gestrigen versaut wird.

Immer wenn ich reife und mich raffe, wenn ich versuche den Blick nach vorn zu richten und zu schärfen, dann kommt wer um die Ecke und stiehlt diese Hoffnung. Statt mich zu stählen, wurde ich ungelenk in Bahnen gelenkt, in Szenen gesetzt und in Rahmen gepresst. Fortan schaute meine Hoffnung vom Kaminsims auf mich herab, während ich mir als verkohlter Spießrouten-Auflauf mir selbst im Schweinenacken saß.

Meine Hoffnung und Liebe sind so reich und endlos wie Leben im Regenwald. Manche nennen Kreislaufwirtschaft. Ich nenne es die längste Ehrenrunde der Welt.

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