Fleischersatz

Stiefel auf Körper
Mai 2024

Ich kann mit den Waffen einer Frau. Ich zerschnitt das Tischtuch mit Worten aus Eis, färbte es tiefblau in einem Ozean gesammelter Tränen über den Verlust unserer Unschuld der ersten Male. Ich webte daraus ein Kleid für die Nacht und erschien trotzdem immer erst mit dem Grauen des darauffolgenden Abends. Es war kurz wie deine Hutschnur. Jede einzelne Schicht war dick wie meine Haut. Sie dauern an und wickeln sich um meine Beine und deinen Finger.

Doch keiner folgte dem Faden, er war nicht rot. Keiner folgte dem Sinn, denn er glitt uns durch die Hand. Er war fein wie der Sand der Zeit und schweiften wir einmal ab, dann nie zu weit. Auch spannten wir ihn nie zu sehr. Nie wieder Folter, nie wieder Krieg, keine Verletzungen mehr.

Ich kam mit den Waffen eines Mannes. Ich schlug das schwere Erbe aus. Ich pilgerte leichtfüßig zurück zum Anfang und er fand den Sinn. Ich ließ laufen. Du gabst Leine. Wir setzten Anker in gebrochenen Herzen und sanierten die Brücken ans andere Ufer in stiller Übereinkunft. Ich baute auf Vernunft. Du bautest auf Unvernunft. Wir bauten darauf, dass beides auf ewig einen sicheren Hafen haben würde, weil da ein Licht ist, das nie ausgeht, selbst wenn ich im Äußersten treibe oder es dich im Innersten zieht.

Niemand schnitt sich ins eigene Fleisch, niemand in das des anderen. Keiner vergriff sich im Ton, aus jeder Sicht stets heiter ohne Witz. Es folgt dem Takt des Metronom zur Stunde spitz nicht stumpf. Treues Herz war immer Trumpf. Wir waren Strom, Quell für Leben. Lass uns doch einfach alles geben

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